Kinderrechte
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Kinderrechtebuch "Anstoß"

1995 kamen die Teilnehmenden einer Fachtagung zum Thema Kinderrechte in eine Diskussion darüber, wie die in der UN-Konvention beschriebenen Kinderrechte im Alltagsrecht angewendet werden. Damit begann eine kreative und lange Zusammenarbeit zwischen dem Landesjugendring Thüringen und dem Kinderbüro der Stadt Weimar. Dabei wurde die Idee entwickelt, ein Schulbuch für die Altersgruppe der Neun- bis Vierzehnjährigen zu gestalten. Natürlich sollten bei der Gestaltung des Buches die Kinder einbezogen werden.   

Viele Kinder kennen gar nicht die Rechte, die sie haben - und viele Erwachsene wissen darüber auch nichts. Deshalb war das Ziel mit dem Buch die Kinderrechte im Alltag mit Beispielen kindgerecht zu zeigen.  

In der Zusammenarbeit von Landesjugendring und Kinderbüro ergänzten sich in genialer Weise die jeweiligen Stärken der beiden Institutionen. Der Landesjugendring übernahm sehr erfolgreich und durchsetzungsfähig die Logistik und Regelung der Finanzen. Im Kinderbüro wurde die Inhalte erarbeitet und die Gestaltung des Buches zum Druck vorbereitet. Für drei Jahre wurde vom Landesjugendring extra eine Personalstelle im Kinderbüro eingerichtet. Gleich drei Thüringer Ministerien waren involviert. Kultus- und Sozialministerium förderten das Projekt, übernahmen aber auch inhaltliche Aufgaben des Gegenlesens und Beratens. Das Justizministerium begleitete das Projekt fachlich, um zu korrekten juristischen Aussagen zu gelangen.  

Kinder aus ganz Thüringen wurden in die Vorbereitung einbezogen. Dabei wurden zunächst die wichtigsten Themen ermittelt. Diese kamen aus den Bereichen: Familie, Freizeit, Schule und Politik.  

So entstand das Kinderrechtsbuch "Anstoß" - von etwa 300 Thüringer Kindern und für Kinder geschrieben. Kinder wurden anhand von selbst erlebten und erarbeiteten "Fällen" ermutigt, sich zu äußern: zu schreiben, zu zeichnen oder zu fotografieren.... Zu den von den Kindern beschriebenen Ereignissen wurden bestehende Gesetze und Ausführungsbestimmungen für Thüringen erklärt, in denen Kinder eine eigene Rechtsposition haben. Das geschah natürlich von Erwachsenen. Zum Teil mit den Kindern erarbeitete Handlungs- und Lösungsstrategien, beziehen die sich auf ihr ganz persönliches Lebensumfeld - eben Familie, Schule, Freizeit...  

Die Arbeitsergebnisse wurden in einem durch Kinder mitgestalteten Ringbuch festgehalten. Ein Ringbuch wurde deshalb gewählt, um Ergebnisse zu ergänzen, zu erneuern und fortzuschreiben. So entstand ein Arbeits- und Handlungsbuch, das den Kindern seit 1998 in den Schulen zur Verfügung steht. Die einzelnen Kapitel handeln z.B. vom Taschengeld, Schülerzeitungen, dem zu schweren Schulranzen, einer Schulhofgestaltung, der Notengebung, dem Verhältnis von Lehrern und Schülern, einer missglückten Baumrettungsaktion, Gewalt in der Schule, von Kindern im Straßenverkehr... Ausgespart werden auch  solche Themen wie sexueller Missbrauch, Adoptivkinder oder das Briefgeheimnis nicht. Alles Themen, in denen Kinder Experten sind. In der Erarbeitung dieses Projektes machten die beteiligten Erwachsenen aber auch die Erfahrung, dass es weniger Alltagsrechte für Kinder gibt als erhofft. Aber es gibt sie, und sie sind es wert veröffentlicht zu werden. Denn Wege, die nicht begangen werden, die wachsen zu.  

Das Buch wurde 1998 an alle Thüringer Grundschulen verteilt. Neben freien Trägern erhielten auch die Jugendämter und öffentlichen Bibliotheken Exemplare.  

Das bundesweite Interesse an diesem Kinderrechtsbuch ermutigte uns, nach einer auflagenstärkeren Veröffentlichung zu suchen. Die Entwicklung brachte Veränderungen, z.B. im Thüringer Schulgesetz nach dem Amoklauf an der Gutenbergschule in Erfurt. Diese Veränderungen wurden in eine CD-Rom aufgenommen.  

Eine Neuauflage des Buches gibt es seitdem leider nicht.