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23.06.2026 · 19:00 Uhr
B.K. Tragelehn & Thomas Thieme-ETTERSBURGER GESPRÄCH

 
Zwei Zeitzeugen, die deutsche Schauspielgeschichte geschrieben haben: B.K. Tragelehn, geb. 1936 in Dresden, war der letzte Meisterschüler Bertolt Brechts. Seine Uraufführung der "Umsiedlerin" von Heiner Müller war 1961 so gut, daß er dafür zwei Jahre zur Bewährung in die Braunkohle geschickt wurde. Er hat wie kein anderer Shakespeare und Müller in Ost und West inszeniert und ist mit 90 eine lebende Theater-Legende.<br>Und Thomas Thieme, geb. 1948 in Weimar, zählt zu den bedeutendsten deutschen Theater- und Filmschauspielern. B.K. Tragelehn war in den 1970ern Thiemes Dozent an der Berliner Schauspielschule. Jahrzehnte später inszenierten beide gleichzeitig am Schauspielhaus Bochum.<br>*<br>Bernhard K. Tragelehn war von 1955 bis 1958 Meisterschüler an der Akademie der Künste in Ostberlin bei Bertolt Brecht und Erich Engel, danach war er freischaffend als Schriftsteller und Regisseur tätig. Im September 1961 löste die Inszenierung der Uraufführung von Heiner Müllers Stück "Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande" einen kulturpolitischen Skandal aus. Stück und Aufführung wurden für konterrevolutionär erklärt, Tragelehn wurde aus der SED ausgeschlossen, vom Senftenberger Theater entlassen und zur Bewährung in der Produktion in die Braunkohle in der Niederlausitz geschickt. Erst nach Fürsprache von Paul Dessau durfte er ab 1964 wieder als Regisseur arbeiten. Von 1967 bis 1969 unterrichtete Tragelehn an der Deutschen Hochschule der Filmkunst in Babelsberg. Die Intendantin Ruth Berghaus holte ihn 1972 an das Berliner Ensemble. Der Dramaturg Friedrich Dieckmann empfahl Tragelehn den Bühnenbildner Einar Schleef, woraus eine fruchtbaren Zusammenarbeit entstand. 1972 inszenierte Tragelehn gemeinsam mit Schleef Erwin Strittmatters Komödie "Katzgraben", 1974 folgte Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen". Die Aufführung war in der deutschen Theatergeschichte sehr wichtig, weil sich „das fragende, neue Lebensgefühl einer nachgewachsenen Brecht-Generation artikulierte“. Tragelehn strebte eine ästhetische Neuorientierung der Brecht-Bühne an, die in Gefahr war, museal zu erstarren. Entschieden realisierte er dieses Ansatz 1975 in der Inszenierung von Strindbergs "Fräulein Julie". Bereits während der Probenzeit deutete sich das kulturpolitische Konfliktpotential an, nur durch persönliche Fürsprache von Paul Dessau konnte die Premiere stattfinden. Es war, so der Theaterkritiker Christoph Müller, „das Verrückteste, was im Berliner Ensemble je über die Bühne ging.“ Vor allem der Schluss der Aufführung sorgte für politische Aufregung: die Hauptdarstellerin Jutta Hoffmann stieg, gestützt von den Zuschauern, über die Parkettreihen hinweg in Richtung Ausgang. „Dieses Flucht-Bild war existenziell, unübersehbar und bedrängend“, schrieb der Theaterkritiker Henryk Goldberg rückblickend. Die Aufführung wurde nach nur zehn ausverkauften Vorstellungen abgesetzt. Ein <em>Macbeth</em>-Projekt, das Tragelehn mit Schleef in Angriff nehmen wollte, kam nicht mehr zustande. Die Zusammenarbeit der beiden endete, als Schleff 1976 vom Burgtheater Wien nicht in die DDR zurückkehrte. Im November 1976 gehörte B.K. Tragelehn zu den Unterzeichnern der Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Seit 1979 arbeitete er im Westen, zunächst am Schauspiel Frankfurt/ M. Er widmete er sich vor allem der Durchsetzung der Stücke von Heiner Müller auf westdeutschen Bühnen. 1985 holte der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Gerhard Wolfram, Tragelehn in dessen Heimatstadt und ließ ihn "Die Umsiedlerin" zur Wiederaufführung bringen. Dies war die erste Inszenierung Tragelehns nach zehn Jahren in der DDR. 1987 wurde B.K. Tragelehn Schauspieldirektor in Düsseldorf, wo er eine seiner legendärsten Inszenierungen von "Maß für Maß" aufführte. Seit Oktober 1989 lebt Tragelehn wieder in Berlin. Bis 1998 war er der letzte Präsident des ostdeutschen PEN und ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Er ist Vorsitzender der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft.&nbsp;&nbsp;
B.K. Tragelehn


Wissenschaft & Bildung

"Wer nicht blöd bleibt stirbt." Ein deutsch-deutsches Theatergespräch

B.K. Tragelehn und Thomas Thieme im Gespräch mit Jens-Fietje Dwars


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Dienstag, 23.06.2026

19:00 - 21:00 Uhr

Veranstaltungsort:

Schloss Ettersburg
Am Schloss 1
99439 Ettersburg Karte

Veranstalter:

Schloss Ettersburg
Am Schloss 1
99439 Ettersburg
Telefon: +49 3643 7428420


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